Ich geb dir gleich Verbrenner!!!

Was ist das aktuelle historische Äquivalent zu religiösen Fundamentalisten, bekehrenden Veganern und sonstigen Menschen, die dich mit ihren Ansichten missionarisch nerven?

Genau: E-Autos.

Plötzlich musst Du dir von Typen, die bis vor wenigen Monaten noch völlig normal waren, vorwerfen lassen, dass Du einen “Verbrenner” fährst. Den hast Du vielleicht schon ein paar Jahre und dein Freund fand den vor zwei Jahren noch super. Jetzt behandeln er und seine Frau dich plötzlich, als hättest du eine ansteckende Krankheit.

“Lass uns bitte nicht mit dem Verbrenner in die Stadt fahren – da fällt man so unangenehm auf…” “Diese Benziner sind wirklich irre laut…” “Kein einziges E-Taxi hier am Stand – unmöglich, wirklich…”

Gegen den sagen wir nichts, der hat was

Stets möchtest Du darauf hinweisen, dass Du dich noch genau daran erinnern kannst, wie der Gatte, bevor er diese Frau in der Abendgarderobe traf, einen 18 Jahre alten Taunus 2.3 V6 bewegte, der nie unter 15 Litern soff. Der Nachfolger war dann ein luxuriös anmutender /8er Benz, der stets mit Opas Heizöl betankt wurde, weil das billiger war. Dass aus dem Auspuff tote Katzen und Zombies kamen, interessierte ihn damals nicht…

E-Autos als Kultur sind der neue Religionsersatz.

Ich haben gar nichts gegen E-Autos. In unregelmäßigen Abständen fahre ich Tesla Modell S und Nissan Leaf. Beides übrigens einigermaßen coole Autos in ihrer jeweiligen Klasse. Aber brauchen wir diesen neuen Graben?

In den späten 70ern sollen sich mein Vater und mein Onkel einmal handgreiflich über die Vor- und Nachteile von antriebsarten gestritten haben – damals ging es freilich um Fragen wie Heck- und Frontantrieb. Ganz neu sind Grabenkämpfe dieser Art also offensichtlich nicht. Dass sie jetzt mit diesem hässlichen schlechten Gewissen einhergehen müssen, ist ekelhaft und nervig.

Na – welcher Stromer kann das? 😉
Na gut… das war unsachlich…

“Ich könnte keinen Diesel mehr fahren… Ich weiss gar nicht, wie Du das noch verantworten kannst,” hört man da von einem Prius-Fahrer, der alle drei Jahre einen neuen Dienstwagen hinterhergeworfen bekommt und desse Arbeitgeber Stromautos gezielt finanziell fördert. Der muss sich von seinem Vorgesetzten mit seinem Audi E-Tron sagen lassen, dass Hybride das letzte seien und wer eigentlich wirklich noch diese veraltete Antriebstechnologie benötigt…

Mit dem Fahrer des Prius bin ich neulich boshafter Weise von Wuppertal nach Limburg gefahren und habe in meinem zwei Tonnen schweren Diesel Benz mit Automatik und Allradantrieb das ECO Programm verwendet. Mit echt nervtötender Präzision im rechten Fuß haben wir die Strecke unter Einsatz der Klimaanlage mit 3,6 Litern geschafft. Das hat ihn höllisch genervt – nicht nur, dass sein Prius es auch nicht besser kann: Die konzeptionsbedingte Schwäche der Effizienz des Hybrid beim Beschleunigen sorgt dafür, dass er auf die 91 KM/H Durchschnittgeschwindigkeit, die wir auf der Strecke bei dem Verbrauch noch hinbekommen haben, einigermaßen neidisch war…. (“LOL“, wie mein Sohn sagen würde).

Gesellschaftlich falsch

Lasst uns jetzt mal nicht drüber streiten, ob E-Autos das richtige sind oder gar weit abgefahrenere Technologien oder gar Verzicht und Car Sharing – Kann ich nicht entscheiden, will ich auch nicht.

Der richtigste aller Wege wäre, die bestehenden Fahrzeuge erst einmal aufzubrauchen, wie meine Oma gerne sagte. Denn ganz gleich, in welche Technologie man investiert: Erst einmal zahlen wir alle drauf, weil Energie in die Herstellung der neuen Wagen fließt – und zwar in erheblichem Umfang. Den musst du über 150.000 bis 200.000 Kilometer weit erst einmal einsparen, bevor deine Energiebilanz auch nur ein Mikrogramm besser wird. Und der Energiebedarf für die Produktion eines Stromautos ist zurzeit entschieden höher als der eines konevntionell angetriebenen.

Insofern: Alte Tugenden… Der gesellschaftlich verordnete Sprung in den nächsten Grad der Wegwerfgesellschaft ist hier wieder einmal der falsche. Nichts gegen E-Autos – aber die Fahrer sollten erst einmal 200.000 KM lang die Klappe halten…

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