Lösungen nicht vorhandener Probleme: Der Irrelevanz-Filter

Kürzlich liefen wir als Redaktions-Rumpf-Team nach einem ziemlich lustigen Abend durch ein Parkhaus auf der Suche nach unserem Auto. Es war bereits einigermaßen spät und in dem Betonbunker befanden sich nur noch wenige Fahrzeuge. Mitten im Gespräch hielt plötzlich eine von uns an und starrte auf zwei Autos, die da nebeneinander parkten.

Ein BMW und ein Audi – soviel war nach Analyse der logs klar. Einziger Schwachpunkt: Keiner von uns kannte die beiden neu wirkenden Fahrzeuge.

Wie sich herausstellte, handelte es sich bei dem BMW um ein 4er Grand Coupé – eine Schrägheckversion des Dreier BMWs, wenn man so will. Der Audi, ein gigantisches SUV ohne Kofferraum, stellte sich als Q8 heraus. Bemerkenswert: Keiner von uns kannte diese Fahrzeuge bewusst, obwohl wir uns durchaus als gut informiert bezeichnen sollten und auch einigermaßen regelmäßig die Promotor-Zeitschriften idiotischer Premiummarken konsumieren.

Was ist eigentlich das Problem?

Wer sich mit Fragen mit Methoden wie Design Thinking auseinandersetz, lernt, gleich zu Beginn zu fragen, was eigentlich das Problem ist. Und genau in diesem ersten Schritt scheitern die Autos für uns – und zwar gleich beide.

Dem Schwachsinn auf der Spur: Modellprogramme, die sich niemand mehr merken kann (und sollte)

Der BMW:

Welches Problem löst der? Es gibt einen 3er mit Schrägheck, nennt sich 3er GT – und selbst bei dem kann man sich fragen, welches Problem der eigentlich lösen soll. Wenn ich einen 3er will, der keine Limousine ist und die Mitnahme beispielsweise eines Hundes ermöglicht, dann kann man bereits seit dem 3er vom Typ E30 einen Kombi kaufen.

Der Audi:

Ist vermutlich eine idiotische Coupé Version des Q8. In anderen Worten: Man kauft sich ein wahnsinnig großes Auto, das in kein Parkhaus mehr passt, aber es passt nichts rein, weil das Heck noch schräger abgeschrägt wird als bei den ohnehin schon idiotisch abgeschrägten SUVs.

Auch die Modellübersicht von Mercedes Benz ist mittlerweile gefühlte 5 Bildschirme lang – in den 70ern hätte das gereicht, um jede einzelne Modellversion der Marke darzustellen…

Der Irrelevanz-Filter, der sich in unseren Köpfen gebildet hat, um diese Art vollkommen nutzloser Fahrzeuge zu ignorieren, ist kein Einzelfall – er ist ansteckend. Wir haben mittlerweile Menschen im Bekanntenkreis, die Dacia fahren, obwohl sie sich bequem 5-mal so teure Fahrzeuge leisten könnten. Und solche, die Prius fahren, weil sie keine Lust mehr auf die Auswahlorgie haben und nach einem Fixpunkt suchen. Das ist ein wenig so, wie in einem kooperativen Kleinstsupermarkt auf dem Land einzukaufen und festzustellen, dass 3 Sorten Marmelade eigentlich vollkommen ausreichend sind – und kein Witz: Schwartau Extra könnte bereits einen Konfigurator vertragen – hier gibt es zwischenzeitlich unglaubliche 27 Sorten. Und wir ahnen: auch hier kaufen 80% der Kunden dennoch nur Erdbeere und Himbeere…

Noch ganz dicht?

Hinzu kommt jenseits aller vermuteter Fortschrittsfeindlichkeit und möglicher Kritik an sinnlosen Aktivitäten wie Design Thinking: Womit verdaddeln Autohersteller eigentlich ihre Zeit? Haben die keine echten Probleme zu lösen? Auch ohne Greta Thunberg mag ja der eine oder andere auf den Verdacht kommen, dass Mobilität schon länger vor gänzlich anderen Herausforderungen steht. SUVs sind die nachweislich schlechteste Antwort auf alle der großen Fragen, übertroffen nur durch SUV Coupés, die immerhin schon durch unseren Irrelevanz-Filter geblockt werden.

Wir werden den weiter ausbauen…



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